Freitag, 24. Oktober 2014

No commentator - wer hats erfunden?

Gibt es tatsächlich ein TV (er-)Leben nach Wolf-Dieter Poschmann, Bela Rethy, Marcel Reif, Tom Bartels, Fritz von Thurn und Taxis und all den anderen Kommentatoren?

JA, das gibt es...und zwar hoffentlich bald!

Ein Schweizer Tontechniker macht es mit seinem Crownfunding Projekt "Nocommentator" möglich.

Wer kennt das nicht? Man freut sich auf eine gute Fußballübertragung und hofft auf einen nicht allzu redseligen Reporter, der fachlich kompetent, aber auch zurückhaltend das Geschehen auf dem Rasen kommentiert.


Leider entspricht das nicht der Realität, wenn Bela Rethy ("Portugal spielt heute mit 6 Ausländern") wieder mal Spieler und Mannschaften verwechselt und auch trotz eindeutiger Zeitlupe seine abgegebene Fehlinterpretation der Spielsituation nicht zurück nimmt. Aktuelles Beispiel aus dieser Woche: Im Champions League Spiel Galatasaray Istanbul gegen Borussia Dortmund setzte sich eine Grille neben das ZDF Mikrophon und sorgte nach dem Empfinden der Zuschauer für einen angenehmeren Unterhaltungston als Bela Rethy. Bei Twitter gab es prompt entsprechende Forderungen:"Tausche Grille gegen Rethy" usw.

Oder wenn Marcel Reif sich offensichtlich persönlich von den fußballerischen Darbietungen beleidigt fühlt und anfängt selbstverliebt und gelangweilt Monologe zu führen ("Wenn Sie dieses Spiel atemberaubend finden, haben Sie es an den Bronchen!" )?

Nicht umsonst gibt es solche Seiten wie www.marcel-ist-reif.de,
Facebook Gemeinschaften wie "Marcel Reif Kommentarverbot"
oder "Bela Rethy Haters Club" und "Bela Rehty - der Comedytator des ZDF" im Internet, wo frustrierte und genervte Fans sich an ihren Peinigern abarbeiten.



Das soll nun sein glückliches Ende finden. Während der Fußball WM 2014 in Brasilien schaltete der Tontechniker Martin Born sein Mischpult zwischen Fernseher und Stereoanlage und dabei mittels eines Karaoketricks einfach den Reporter ab! Übrig blieb die angenehme Stadionatmosphäre und seine Gäste waren begeistert.

Technisch gesehen ein ganz simpler Trick: Die Übertragungs-signale werden unterteilt in Stereo und Monosignale. Der Kommentar ist immer der Monoton, der über den Mittelkanal gesendet wird. Dieser kann technisch isoliert und gelöscht, bzw. unterdrückt werden.

Da nicht jeder zu Hause über ein Mischpult verfügt, hat der Schweizer nun eine kleine Box entwickelt, die man umgerechnet für 60,- erwerben könnte. Allerdings müssten sich vorher noch genügend finanzielle Unterstützer finden, die das Projekt supporten: http://www.nocommentator.com/






Mittwoch, 22. Oktober 2014

BeKLOPPTe Situation, oder?!

"Ich glaube nicht, dass dich die Angst vor dem Verlieren, eher zu einem Sieger macht, als die Lust aufs Gewinnen!"

Jürgen Klopp in einer Reklame

Momentan sieht unser Trainer sehr nachdenklich, ratlos und konsterniert, ja richtig angegriffen aus. Seine Zuversicht und seine Lebendigkeit, die diesen großartigen Übungsleiter bisher auszeichneten, fehlen auf einmal gänzlich. Erschreckenderweise gab es sogar Meldungen, dass Klopp sich selber in Frage stellen würde, er lieber zurücktreten wolle, wenn er das Gefühl hätte, dass die Krise mit ihm zu tun hätte. Das allerdings erscheint mir als unvorstellbar und überzogen.


Die bewährten Mechanismen, die bisher immer gegriffen haben wenn es nötig war, greifen derzeit überhaupt nicht.

Ganz im Gegenteil, unerklärbare individuelle Fehler werden von Spieler zu Spieler weitergegeben, wie eine Schneeräumkarte in einem Mietshaus. Jeder ist mal daran! Dazu kommt: Trotz drückender spielerischer Überlegenheit schafft es die Mannschaft nicht sich selbst für die eigenen Bemühungen zu belohnen.

Mit jeder Niederlage, so scheint es, steigt die Angst vor dem Verlieren und den eigenen Fehlern. Die Lust aufs Gewinnen scheint verloren.

Wie holt man sich in solcher Situation das nötige Selbstvertrauen zurück? Durch die Champions League, wo es vergleichsweise gut läuft? Oder durch eine Systemumstellung?
Hat die Mannschaft, der Trainerstab diese Möglichkeiten drauf taktisch zu variieren? Ich glaube schon.

Die Erfahrung lehrt: Die Offensive gewinnt das Spiel, die Defensive die Meisterschaft.

Wichtig ist eine gut stehende Abwehr im Verbund mit einem sicheren Mittelfeld, welches dem Gegner keinen Raum lässt und eine Offensive, die gnadenlos gegen den Ball und Gegner presst und nach hinten arbeitet. Wenn nichts mehr nach vorne zu gehen scheint, muss zumindest hinten die Null stehen. Das erfordert natürlich eine Menge Geduld, sowohl bei den Spielern als auch bei den Fans.

Denn bisher war die Order: Draufgehen und nach vorne spielen, als wenn es kein Morgen mehr gäbe. Vielleicht ist diese Ausrichtung grundsätzlich zu überdenken. Das spielerische Übergewicht lässt sich derzeit nicht wie gewohnt in Tore ummünzen. Also müssen auch mal andere Methoden in Betracht gezogen und ausprobiert werden. Dagegen halten und auch mal konsequent gesunde Härte in den Zweikämpfen zeigen! Wo technisch limitierte Mannschaften dieses probate Mittel schon seit einiger Zeit erfolgreich gegen Borussia einsetzen, muss man sich dem Kampf stellen.

Und wenn dann gar nichts mehr geht, muss die eine oder andere Standardsituation (Eckbälle oder Freistöße) konsequent ausgenutzt, sprich im Torerfolg umgesetzt werden.

Jungs, ich wünsche mir eine überbordende, LUSTVOLLE Restsaison von euch. Die Lust aufs Gewinnen wird wiederkommen - da bin ich mir ganz sicher.

Bis dahin: "Ruhe bewahren und Standards üben!" (auch son Spruch von Klopp ;)

"Auch in schweren Zeiten haben wir keine Wahl, wir werden immer zu dir stehen, wir sind aus Kohle und Stahl!"

Pommes Schwarz Gelb in "Tradition verpflichtet"

Sonntag, 5. Oktober 2014

"Und wenn du das Spiel verlierst, ganz unten stehst...

dann stehen wir hier und singen: BORUSSIA, BORUSSIA BVB!"

Da ist sie nun tatsächlich: Die erste wirkliche Krise in der Ära Klopp beim Ballspielverein Borussia von 1909 aus Dortmund. 

Nach 4 sieglosen Spielen, mit nur einem Punkt von 12 möglichen, steht das Team aktuell auf dem 13. Platz der Bundesliga. 2 Siege stehen einem Unentschieden und gleich 4 Niederlagen entgegen. Mit gerade mal 7 Punkten ist man nur 3 Punkte vom Tabellenende, allerdings aber auch nur 3 Punkte von Tabellenplatz 6 entfernt. 
Was ist los am Borsigplatz? Die Mannschaft steckt fraglos in einem Formtief wie Cheftrainer Klopp am Samstag nach der 0:1 Heimpleite gegen das bisherige Tabellenschlusslicht HSV zugeben musste. 
Einerseits sind es die verletzt fehlenden Stammkräfte wie Sahin, Gündogan, Mchitarjan, Reus, Kuba und Co, die besonders im kreativen Mittelfeld vermisst werden, andererseits sind es die zurück kommenden Rekonvaleszenten, wie Hummels, Subotic, Bender Schmelzer und Piszczek, denen einfach nach langer Verletzungspause die Bindung zu den Mitspielern und die Spielpraxis fehlen. Gleiches gilt im übrigen auch für den Heimkehrer Kagawa, dem auch noch einiges zur alten Stärke fehlt. 
Alleine kann Shinji diese Herkulesaufgabe als Schaltstation im Mittelfeld nicht bewältigen und wartet dringend auf Unterstützung. 

Zum anderen scheint mir das System Klopp in der Bundesliga entschlüsselt. Den spielerisch eigentlich unterlegenen Mannschaften reicht es mittlerweile offensichtlich, sich besonders bei Heimspielen im Westfalenstadion einfach massiv hinten rein zu stellen und die Räume geschickt zu verdichten und zu verteidigen. Irgendwann tut sich, bedingt durch häufig individuelle Fehlleistungen, eine Lücke im Dortmunder System auf, in die der Gegner dann stoßen kann. So geschehen am Samstag als Ramos einen Katastrophenpass auf Höhe der Mittelinie auf den Gegenspieler abspielte, der dann zum Gegentreffer führte. 
Warum die beiden erfahrenen Abwehrspieler Sokratis und Hummels sich dabei gleichzeitig auf den ballführenden Mann Müller stürzten und damit den späteren Torschützen Lasogga außer acht ließen, entzieht sich meiner Kenntnis. 

Das altbekannte und bewährte Passspiel der Borussen scheint irgendwie kaum bis gar nicht mehr vorhanden zu sein. Derzeit überwiegen eher Quergeschiebe und übereilte Aktion wie die langen Bälle ins Niemandsland. Was in der Champions League beispielsweise gegen mitspielende Gegner immer noch funktioniert, klappt in der Bundesliga seit Wochen nicht mehr. 
Die Fehlpassquote ist wirklich alarmierend.

Ganz schlimm anzusehen sind momentan die Standardsituationen, allen voran die Eckbälle. Entweder sind sie hoch in den Fünf-Meter-Raum direkt auf den Torwart geschlagen oder sie kommen halb hoch auf die Abwehrspieler und sorgen ein ums andere mal für Gefahr durch Konter auf das eigene Tor. Hier gilt es im Training zu üben bis der Arzt kommt. Gerade wenn es spielerisch nicht optimal läuft, müssen eben Standards für Gefahr und Tore sorgen! 

Es ist durchaus spannend zu sehen welche Lösungsmöglichkeiten das Trainergespann um Jürgen Klopp entwickelt, um diese mit der Mannschaft umzusetzen. Bisher hatte man aus negativen Erlebnissen immer die richtigen Schlüsse gezogen und mit guten Umstellungen wieder in die Erfolgsspur zurück gefunden. Aber derzeit wirkt sogar Klopp etwas ratlos. Hoffen wir mal, dass die Länderspielpause richtig genutzt wird. Wir werden es erleben.

A propos Länderspiel: Persönlich kann ich es überhaupt nicht nachvollziehen, dass Mats Hummels nach noch nicht mal einem komplett durchgespielten Bundesligaspiel mit dem BVB (die Nominierung war vor dem HSV Spiel) vom Bundestrainer schon wieder für die Länderspiele gegen Polen und Irland eingeladen wurde. Hier erwarte ich aber auch mal eine kritische Reaktion des Vereins und des Spielers! Am besten in Form einer Absage.

Kommen wir nun zum erfreulichsten Teil des Wochenende, der Reaktion der Fans auf die Misere. Während in anderen Stadien in vergleichbarer Situation die Spieler mit gellenden Pfeifkonzerten in die Kabine gejagt würden, stellten sich besonders die Südtribünenbesucher und die angrenzenden Süd-West und Süd-Ost-Ecken eindeutig und lautstark hinter die Mannschaft um Einigkeit und Unterstützung zu demonstrieren. 
Angestimmt wurden "Und wir werden immer Borussen sein" "Es war Liebe auf den ersten Blick" und "Und wenn du das Spiel..." 
Das Team stand minutenlang andächtig lauschend und klatschend vor dem Süden und bedankte sich so für den Vertrauensvorschuß der eigenen Fans. 

Mag der Marketingslogan noch so abgedroschen klingen, da war sie wieder, die viel zitierte "Echte Liebe" der Fans für den Verein und die Mannschaft! 

Wir sind alle BORUSSEN, immer und jetzt erst recht!



Ein BORUSSE gibt nun mal nicht auf und steht besonders in schwierigen Zeiten mit anderen zusammen hinter den Spielern.

"Und wenn du das Spiel gewinnst/verlierst....dann stehen wir hier und singen: BORUSSIA, BORUSSIA BVB!"



Freitag, 3. Oktober 2014

Bei der Geburt getrennt XVII


                    Superfly Robben                                               E.T.

Dienstag, 30. September 2014

No Totti no Party!


Und ab geht die nächste Party....


Francesco Totti, der ewige Römer, ist ein echtes Phänomen!
Mit 38 Jahren ist er seit gestern der älteste Torschütze der Champions League. Sein Treffer zum 1:1 bei Manchester City sorgte für einen Punktgewinn für seinen AS Rom, dem er seit seiner Jugend die Treue hält.

Totti selber: "Ein Tor ist für mich wie der Kuss einer Frau.
    Ich bin zwar 38, fühle mich aber nicht so"



Dienstag, 23. September 2014

Istanbul United


 Am Montag abend gab es die Dortmunder Premiere incl. Sonderveranstaltung des Filmes Istanbul United im Cinestar.

Der Film ist bundesweit seit dem 18.09.2014 in den deutschen Kinos und zeigt die unterschiedlichen Fangruppen von Besiktas, Galatasaray und Fenerbahce Istanbul, die untereinander absolut verfeindet sind. Das Filmteam um die beiden Regisseure Olli Waldhauer und Farid Eslam begleitet drei führende Köpfe der jeweiligen Ultragruppierungen Carsi (Besiktas), UltrAslan (Galatasaray) und Vamos Bien (Fenerbahce).



Besiktas Istanbul
Galatasaray Istanbul


Fenerbahce Istanbul
Alle drei "Hauptdarsteller" berichten aus ihrem Leben für ihren Verein. 


Hierbei fällt auf, dass die Fankultur in der Türkei sehr viel krasser ist als in Deutschland. 

    
Man gewinnt den Eindruck, dass sich das gesamte Leben um den Club dreht, dass dieser der Lebensinhalt der Protagonisten geworden ist. Der ganze Hass auf die verfeindeten Lokalrivalen wird deutlich. 
Dieser geht von jugendlichen  Mordgedanken bis hin zu tatsächlich stattgefundenen tödlichen Messerstechereien. 


Das Filmteam begleitet die Anführer bis in die Fankurven und dokumentiert das Geschehen auf den Rängen. 



Auch hierbei heftige Bilder und derbe Ausdrucksweisen ("Fick deine Mutter, Schwuchteln"), die in der deutschen Fankultur so nicht mehr vorhanden ist. Auffällig für mich, dass es die sonst übliche Uniformität der Ultras im türkischen Fußball nicht gibt. Dort wird ausschließlich das Trikot und die Vereinsfarben noch mit Stolz getragen. Und man fühlt sich, wenn man das Trikot seines Clubs trägt, verantwortlich für dessen Ansehen und Außendarstellung. Sehr eindrucksvoll.

Zwischendurch immer wieder eingeschnittene Bilder, gefilmt mit Handykameras von den Ausschreitungen im Gezi Park, einem 70 Jahre alten Park, der an den Taksim Platz, einem zentralen Verkehrsknotenpunkt im europäischem Teil Istanbuls, grenzt. Dieser liegt nur einen Steinwurf vom Inölü Stadion im Stadtteil Besiktas entfernt.

Der Park soll einer modernen shopping mall weichen, die Anwohner wehren sich und besetzen den Park. Die Polizei rückt an und geht brutal mit Tränengas und Wasserwerfern gegen friedliche Demonstranten vor. Es folgen Rückblendungen auf die Ultraführungspersönlichkeiten, die weiter aus ihrem Alltag berichten. 
Zwischendurch spricht Erdogan, der türkische Staatspräsident, im Fernsehen zu seinen Anhängern und verhöhnt die Protestierer. 
Er bezeichnet sie als Gesindel und Plünderer. Diese lassen sich nicht unterkriegen und intensivieren den Widerstand. Es folgen dramatische Aufnahmen von Auseinandersetzungen in den Gassen Istanbuls. Mitten im pulsierenden Nachtleben fahren die Wasserwerfer auf, nehmen weder Rücksicht auf Passanten beim Restaurantbesuch oder auf Hotelgäste in der Lobby. Es fliegen Tränengasgranaten durch die Luft und Wasserfontänen sogar bis in die Hotellobby hinein, wohin sich die Menschen flüchten. Verstörende Aufnahmen.

Irgendwann zeigt der Film den Führungszirkel der Gala Ultras, die während eines Basketballspiels zwischen Galatasaray und Fenerbahce in den Nachrichten die aufwühlenden Kampfszenen vom Taksim fassungslos beobachten. Man hört den Satz: "Wir müssen dahin!"

So beginnt die eigentliche Geschichte von Istanbul United....

Am Ende des Film Bilder vom Derby Besiktas gegen Galatasaray mit anschließendem Platzsturm der Besiktasfans.
Hier wird immer wieder: "Überall ist Taskim-Platz. Überall ist Widerstand" gebrüllt!


In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Regisseur Olli Waldhauer werden Fragen gestellt.


Wie Olli auf die Idee kam den Film zu drehen?


Er berichtet wie er an einem Mittwoch abend in den Medien das Bild von den drei Fans der unterschiedlichen Fangruppen sieht und überlegt ob er als Kölner mit einem Gladbacher und Düsseldorfer gemeinsam in Trikots demonstrieren würde. Eigentlich unvorstellbar für einen FC Fan. Das war der erste Gedankenanstoß. Am Samstag morgen saß er dann mit Farid Eslam im Flieger nach Istanbul. Am nächsten Tag wurde gleich der türkische Kameramann verhaftet und 9 Stunden verhört. Anschließend hatte er kein Bock mehr und stieg aus.

Man fand einen neuen Kameramann und es ging weiter, immer mitten im Geschehen. So entstanden die Kontakte mit den drei Führungspersönlichkeiten der Clubs.

Was er zu den sexistischen und homophoben Aussagen im Film denn sagen würde und ob diese nicht zu verhindern gewesen wären?

Nein, waren sie nicht. Olli findet sie auch nicht toll und richtig, allerdings hat er nur dokumentiert. Zum anderen konnte er zum Drehzeitpunkt kein türkisch und wusste nicht was gesungen wurde. Erst bei der Übersetzungsarbeit wurde ihm klar was er da alles aufgezeichnet hatte.



Wie wurde der Film finanziert?

Einerseits crownfunding, anderseits hat er sein gesamtes Vermögen ins Projekt gesteckt und ist nun faktisch pleite.

Ob er noch Kontakt zu den Protagonisten hat?

Ja, hat er. Allerdings ist der Kontakt zu Güner, Chef der Carsi Gruppierung, sehr schwierig da dieser sich jeglicher modernen Kontaktaufnahme via Telefon, Handy, Whats app oder Facebook konsequent verweigert. Da hilft nur die persönliche Vorsprache. Deshalb plant Olli auch schon den nächsten Trip an den Bosporus.



Aktuell sind 35 Carsi Mitglieder wegen Putschversuch (!) angeklagt. Der Staatsanwalt fordert für alle Beteiligte lebenslänglich. Geplant ist zu Prozessbeginn eine Aktion mit Amnestie International um die Weltöffentlichkeit auf diesen Justizskandal aufmerksam zu machen.


Olli Waldhauer hofft übrigens, dass weitere Filme (es gibt schon Projekte) sich mit den Vorfällen am Taksim Platz beschäftigen und die Geschehnisse dort weit aus intensiver aufarbeiten werden, als er es getan hat.


Fazit: Der Abend hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Der Film wühlt und regt auf, man sieht wüste Auseinandersetzungen, hört Schreie, sieht ganz normale Menschen wie du und ich, die sich gegen die staatliche Willkür und das autoritäre Regime Erdogans wehren, Jagdszenen auf gegnerische Fans durch die Straßen Istanbuls, lauscht geschockt den Berichten von mehreren Toten...

Teilweise ist privates Material in entsprechend schlechter Qualität und unruhiger Kameraführung eingefügt worden, die die Dramatik noch steigern. Der Film ist sehr emotional anzuschauen. Manchmal gibt es auch Momente zum Lachen und Schmunzeln, wenn zum Beispiel Tausende Fußballfans zum Gezi Park marschieren und dabei in Anlehnung zu Erdogans abfälligen Bemerkungen rufen:
" Hurra, hurra die Plünderer sind da!"

Oder wenn die Kamera einen Fan zeigt, der den Polizeinotruf wählt und eine Vermisstenanzeige aufgibt. "Was denn vermisst würde?" ist die Frage. Die Antwort: "Das Tränengas! Man wäre jetzt auf dem Taksim und wartete schon seit Stunden auf den Einsatz des Tränengases"

Leider war die Vorstellung nicht ausverkauft und für mich sehr überraschend, waren nur sehr wenige türkische Zuschauer im Kinosaal anwesend. Gerade weil die Istanbuler Vereine sich auch in Deutschland und speziell im Ruhrgebiet größer Beliebtheit unter den türkisch stämmigen Einwohnern erfreuen, war das fehlende Interesse für mich ziemlich enttäuschend.

Vor uns saßen vier junge türkische Damen, die sich erst einmal bei uns darüber informierten, "was da überhaupt für ein Film gezeigt werde? Und warum so viele Deutsche da wären?" 

Nichtsdestotrotz waren einige bekannte Gesichter der Dortmunder Fanszene zugegen, wie das Fanprojekt mit Thilo Danielsmeyer und Davud Mohammed, die Fanbeauftragten des BVB Petra Stücker, Jens Volke und Daniel Lörcher und einige Ultras und nicht zuletzt Kevin Großkreutz.




http://www.istanbulunitedthemovie.com/

Nachtrag:
Wer sich neulich beim Heimspiel des BVB gegen Freiburg über die türkischen Spruchbänder auf der Süd gewundert haben sollte....

Es waren Solidaritätsbekundungen der Dortmunder Ultras an die angeklagten Carsi Ultras.

Donnerstag, 18. September 2014

#freeshinji completed

Dortmund´s verlorener Sohn Shinji Kagawa ist wieder da.


Man muss kein waschechter Dortmunder Junge sein um in Dortmund geliebt zu werden.

Das war bei ausländischen Spielern wie Stephane Chapuisat, Alex Frei, Dede, Julio Cesar, Rosicky und Jan Koller so und zeigt sich aktuell extrem beim Japaner Shinji Kagawa.

Seit er vor zwei Jahren den BVB Richtung Manchester United ins "gelobte Mutterland des Fußballs" verlassen hat, lebte die Sehnsucht nach einer Rückkehr des kleinen Dribbelkönigs aus Nippon in den Herzen der Dortmunder Fans. Befeuert durch seine Aussage, dass er irgendwann gerne wieder zur Borussia zurückkehren wolle, wurde sein Werdegang in England mit großer Anteilnahme verfolgt. Leider hatte Shinji keinen guten Einstand in der Premier League, die sich in Japan höchster Wertschätzung erfreut. Durch eine langwierige Verletzung konnte er die Vorbereitung von Sir Alex Ferguson nicht mitmachen und stand im August 2012 erstmals im Kader und durfte im Pokal seine ersten Schritte gehen. Für viel mehr reichte es allerdings nicht.
 
Die Dortmunder Fans hofften...

Zwischenzeitlich gab BVB-Geschäftsführer Aki Watzke in einem Interview zum Besten, dass die Tür für Kagawa beim BVB immer offenstehen würde.

Die Dortmunder Hoffnung stieg....

Man sah wie sich der schwarzgelbe Liebling in England quälte und leidete mit ihm. Kagawa ließ allerdings über sein Management verkünden, dass er sich in der Premier League und bei Manchester United durchsetzen wolle.

Unter dem neuen Trainer Moyes änderte sich nicht viel. David Moyes, von Ferguson selbst als dessen Nachfolger auserkoren, hatte als eher unbekannter Coach genug eigene Probleme in die übergroßen Fußstapfen seines Vorgängers zu treten. Shinji spielte auch in dieser Saison keine große Rolle und fand sich meistens auf der Ersatzbank oder der Tribüne wieder.

 
 















In Dortmund wurde eher aus einer Laune heraus von den Fans die Twitter Kampagne #freeshinji gestartet, die sich großer Beliebtheit erfreute und für reichlich Aufmerksamkeit auch in Großbritannien sorgte.

Am Saisonende stand Manchester United ohne Titel da und verpasste die Teilnahme an der Champions League und sogar an der Euro League! Eine Katastrophe für den erfolgsverwöhnten Weltverein. Moyes musste gehen.


Die Dortmunder Hoffnungen wurden stärker....

Als dann der neue Trainer Louis van Gaal nach der WM in Manchester die Arbeit aufnahm, interessierte er sich mehr für teure Neuverpflichtungen und sortierte den Kader gründlich aus.

Spätestens als mit Herrera und di Maria zwei Topneuverpflichtungen (für insgesamt ca 110 Millionen!) für Kagawa´s Positionen geholt wurden, sanken Shinji´s Chancen auf einen Stammplatz auf den Nullpunkt.

Damit nicht genug: Van Gaal, der menschlich eher limitierte Fußballlehrer, kritisierte öffentlich Shinji Kagawa als getestet, aber nicht tauglich für seine Philosophie. In diesem Stadium muss sowohl bei den Verantwortlichen des BVB die Chance zum handeln gesehen worden sein, als auch ein Umdenken bei Shinji Kagawa stattgefunden haben.

Die Dortmunder Fans gerieten in helle Aufregung, als die ersten Gerüchte über Kagawa´s bevorstehende Rückkehr aufkamen. In meinem Umfeld wurde diese Möglichkeit ausschließlich positiv besprochen. Niemand, aber auch niemand in der großen Borussen Familie konnte hierbei etwas negatives entdecken. Ganz Dortmund zeigte sich erfreut und war elektrisiert. Und dann ging es schnell: Zuerst tauchte Kagawa´s Berater Thomas Kroth an der BVB Geschäftsstelle auf, dann wurde Shinji am Flughafen Manchester gesehen und schließlich landete er in Deutschland. Alles genauestens verfolgt und entsprechend im Internet  auf zahlreichen Seiten veröffentlicht. Kagawa war plötzlich Gesprächsthema Nr.1 und angeblich an jeder Ecke in Dortmund gesehen worden.

Mir persönlich wurde hinter vor gehaltener Hand sogar bestätigt, dass Shinji sich auf der Geschäftsstelle des BVB von einem mir bekannten Praktikanten gesehen wurde ;)

Und tatsächlich: Nachdem die letzten Details geklärt waren, kam die langersehnte Meldung:

"Borussia Dortmund verpflichte Shinji Kagawa kurz vor Ende der Transferperiode bis zum Jahre 2018!"

Der kollektive Jubel kannte in Dortmund keine Grenzen mehr.

Trikots mit der Nummer 7 und dem Schriftzug KAGAWA wurden wie bekloppt verkauft. Extra aufgelegte T-Shirts mit dem Konterfei Shinji´s wurden ebenfalls Verkaufsschlager.


Obwohl Kagawa nur wenige Trainingseinheiten mitmachen konnte, stand er -auch bedingt durch den Ausfall von Marco Reus- am Samstag gegen den SC Freiburg in der Startformation.

Es wurde ein 60 minütiger Einstand nach Maß!

Doch der Reihe nach. Selten oder wenn überhaupt wurde ein Spieler dermaßen vom Westfalenstadion so frenetisch bereits beim Warmmachen gefeiert und bejubelt wie der kleine Japaner.



Im Spiel selber war es dann so als wäre er nie weg gewesen. Shinji war sofort wieder der Chef im Mittelfeld, war Dreh- und Anspielpunkt im Mittelfeld, wurde von seinen Mitspielern gesucht und forderte auch die Bälle.
Besonders mit Großkreutz und Michitarian klappte das Zusammenspiel bestens. Folgerichtig eröffnete Shinji mit einem feinen Zuckerpass den Flankenlauf von Großkreutz, der Ramos bediente und dieser das 1:0 besorgte. Das 2:0 schoss der alte und neue Publikumsliebling dann selber. Nach 60 Minuten musste er dann mit Muskelkrämpfen und unter tosendem Beifall der aufgesprungen Zuschauern vom Feld gehen. Welch ein Comeback!


Nach dem Spiel bekannte Kagawa, dass er während des gesamten Matches aufgrund der besonderen Atmosphäre eine Gänsehaut gehabt hätte. Kapitän Kehl hatte sogar ein Dauergrinsen im Gesicht des Heimkehrers entdecken können.



Wir werden noch eine Menge Spaß an der Fußballkunst des kleinen Ballzauberers haben, dessen bin ich mir sicher! Und vielleicht kommt der eine oder andere wechselwillige Spieler noch mal ins Grübeln, ob bei anderen Clubs wirklich alles so toll ist oder man doch besser das genießen sollte was man hier hat. Der Verein hat jedenfalls das richtige Signal gesendet.


Die Nachfrage nach Kagawa Fanutensilien ist ebenfalls noch ungebrochen hoch. Die erste Million der ca. 8 Millionen Ablösesumme für Shinji ist damit schon wieder reingeholt worden und wird sich vermutlich in diesem Jahr noch komplett amortisieren.

Ach ja, schöne Grüße an den "Tulpengeneral" von Manchester: BEDANKT!