Donnerstag, 18. September 2014

Arsenal again, aber diesmal richtig :)

Alle Jahre wieder....geht es in der Champions League Gruppenphase gegen den FC Arsenal aus London. 

Mal wieder ein Ort der Freude: Die Süd

Gestern abend war es mal wieder soweit. Die Nordlondoner waren im Westfalenstadion zu Gast beim ersatzgeschwächten, aber hoch motivierten Team des Ballspielvereins. Die Liste der verletzten Stammspieler liest sich schon wie ein "Who is Who" der Bundesliga: Hummels, Reus, Gündogan, Kagawa, Kuba, Pisczczek, Ji und Sahin. 

Zudem spielte Marcel Schmelzer zum ersten Mal seit seiner wochenlangen Verletzung und sein Vertreter Eric Durm auf der ungewohnten Rechtsverteidigerposition. Manni Bender, ebenfalls nach langer Bänderverletzungspause genesen, konnte erstmal über 90 Minuten gehen. Alle machten ihre Sache famos. 

War man persönlich vor dem Match durchaus mit einem Remis zufrieden, legten die Borussen los wie die berühmte Feuerwehr und setzen den Gegner dermaßen unter Druck, dass diesem Hören und Sehen verging. Arsenal kam überhaupt nicht in sein gefürchtetes Spiel und man gewann auf der Tribüne schnell den zugegebenermaßen subjektiven Eindruck, dass heute nichts anbrennen könnte. 

Kurz vor Halbzeit war es dann soweit: Ciro Immobile, der in der Bundesliga noch torlose Stürmer schnappte sich Sekunden vor dem Halbzeitpfiff tief in der eigenen Hälfte den Ball und rannte über den ganzen Platz und netze trotz 4facher Gegenwehr gekonnt ein. Dabei bediente er sich seinem schon bei einem Freundschaftsspiel in Polen gezeigten Trick, bei dem er sich selber anschoss und die Gegenspieler damit überrumpelte.

Der Jubel war dermaßen groß, sodass die Süd bis tief in die Halbzeitpause weiter feierte.
Kaum kamen die Mannschaften wieder aus den Kabinen, da rappelte es schon wieder im Gästetor. Kevin Großkreutz, der Mann des Spiels, setze mit einem feinen Pass den pfeilschnellen Aubameyang klasse in Szene, der anschließend am Torwart vorbei taumelte und den Ball im Tor unterbrachte. 

Welch ein Jubel, welche Freude! Auf den Rängen ging so richtig die Post ab und das gesamte Stadion schmetterte ein Lied nach dem anderen und sprang auf den Sitzen, als wenn der Cup bereits gewonnen wurde. Überhaupt kommt es mir so vor, dass die verbliebenen Zuschauer, in der Champions League gibt es gegenüber der Bundesligaheimspielen (80.000 Zuschauer) ja nur ein reduziertes Kartenangebot von ca. 66.000 Sitzplätzen, die Abwesenheit der sonstigen Fans durch zusätzliche Lautstärke und Geschlossenheit wieder wett machen wollen. Großartig!

Ich weiss ja nicht was Coach Klopp mit seinen Spielern vor dem Spiel so alles anstellt, aber er schafft es immer wieder -unabhängig von den Namen- eine großartige Mannschaft mit der richtigen Einstellung aufs Feld zu schicken. Diese exzellente Mischung aus Pressing und Gegenpressing, Konterfußball mit brutaler Laufbereitschaft und atemberaubender Geschwindigkeit ist schon sehr ansehnlich, für den Gegner aber diesmal tödlich. Es blieb beim absolut verdienten 2:0 Heimsieg, der bei besserer Chancenverwertung auch noch deutlich höher ausfallen konnte. 

Fazit: Tolle Mannschaftsleistung und ein Stadion in Bestform, das war ein perfekter Einstieg in die Champions League Saison.


Spruch des Tages auf der Süd:" Von Özil sieht man heute nur die Augen!"

Montag, 1. September 2014

Alles Kumpels oder was?

Der selbst ernannte Kumpel- und Malocherclub FC Gelsenkirchen-Schalke 04 hat sich einen neuen Spielertunnel in der Hochglanz Veltins-Arena gegönnt.


Statt des bisherigen blau-weissen Ganges mit den Slogan "Blau und weiß ein Leben lang..." gibt es nun einem Bergwerksstollen nachempfundenen Tunnel, durch den die Heim- und die Gastmannschaft auf den Rasen auflaufen müssen. Am Ende des Ganges prangt ironischerweise das Logo eines russischen Gasexporteurs, der naturgemäß auf dem Energiesektor in Konkurrenz zur einheimischen Steinkohle steht.

Die Idee stammt übrigens von der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt, dessen Berater kein Geringer als Christoph Metzelder, dem ehemaligen Bundesligaprofi von Borussia Dortmund und Schalke 04, ist. Die aktuelle Werbekampagne des Vereins steht unter dem Motto "1000 Freunde, unzählige Kumpel!" und ist eine Marketingstrategie von Metzelder selber.


Warum dieses GEtue?

In Gelsenkirchen setzt man viel daran, eine Marke zu kreieren und macht daher offenbar auf historische Folklore. Das Ruhrgebiet gilt bekanntlich als Wiege des deutschen Bergbaus und Motor der deutschen Nachkriegswirtschaft. Allerdings setzte Ende der 50er Jahre das große Zechensterben in der Region ein, sodass heute kaum noch Zechen existieren. Derzeit sind es noch zwei: Zeche Auguste Victoria in Marl und Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop.

Seit vielen Jahren nennen sich die Gelsenkirchener Kicker auch "Die Knappen" in Anlehnung an die frühere Bezeichnung eines ausgelernten Bergmanns und die Verantwortlichen des Clubs lassen die Neuverpflichtungen zur Aufnahme in den Verein erst einmal in die Grube, sprich: in ein Bergwerk einfahren. Danach werden sie mit schwarz geschminktem Gesicht werbewirksam abgelichtet und haben somit ihre Feuertaufe bestanden. Diese Prozedur findet übrigens -in Ermangelung einer eigenen, noch aktiven Zeche- außerhalb Gelsenkirchens statt.

Schaut man allerdings auf die geschichtlichen Fakten entdeckt man schnell, dass der S04 aus einer Stadt stammt, die im Vergleich mit Großstädten im Revier mit ähnlich großer Einwohnerzahl deutlich weniger Zechen im Stadtgebiet hatte. Andere Ruhrgebietsstädte wie das benachbarte Essen oder Bochum und auch Dortmund wiesen deutlich mehr Bergwerke und damit auch mehr dort beschäftigte Kumpel auf, wie die Bergleute sich nannten, als vergleichsweise Gelsenkirchen.

Der älteste urkundlich nachgewiesene Kohleabbau stammt übrigens aus Dortmund aus dem Jahr 1296, in der Nähe von Haus Schüren. Konrad von Schüren war der erste Bergmann des Reviers.

Borussia Dortmund und die ehemaligen Bundesligaclubs VfL Bochum, MSV Duisburg, Rot-Weiss Oberhausen und auch Rot-Weiss Essen hätten somit mindestens genauso viel Berechtigung, das rührige Image des vergangenen Steinkohlebergbaus der Region zu pflegen und auszuschlachten.  

Das wiederum versucht der Fußball Club Gelsenkirchen-Schalke von 1904 e.V. zum eigenen finanziellen Vorteil exklusiv für sich zu beanspruchen. Mit dem ursprünglich aus der Bergarbeitermilieu stammenden Verein "Westfalia Schalke" hat das eigentlich gar nichts mehr zu tun. 

It don't count less it sells. Bob Dylan

Samstag, 30. August 2014

Geschichten, die (nur) der Fußball schreibt

Mittwoch abend in Sofia, Championsleague Qualifikationsrückspiel zwischen dem bulgarischen Meister Ludogorez Rasgrad und Steaua Bukarest, aktueller Titelträger aus Rumänien. 









Das Hinspiel endete mit einem späten Treffer in der 89. Minute 1:0 für Steaua. In der 90. Minute des entscheidenden Rückspiels gelingt Ludogorez das 1:0. Verlängerung. In der 119. min muss der Torwart des heimischen Teams wegen einer Notbremse mit Rot vom Platz. Da Ludogorez bereits schon 3x gewechselt hatte, muss ein Feldspieler ins Tor. In den Kasten geht der Abwehrspieler Cosmin Moti. Dieser übersteht die Restzeit der Verlängerung ohne Gegentreffer. Elfmeterschiessen! Ludogorez Rasgrad darf beginnen und ausgerechnet Cosmin Moti schnappt sich als erster Schütze den Ball und verwandelt nervenstark.

Danach hält er zwei Elfmeter und wird somit zum Helden des Spiels. Ludogorez Rasgrad erreicht zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die Gruppenphase der Königsklasse, dank Cosmin Moti. 


Der Vereinpräsident Domustschiew verkündet stolz, dass die neu zu errichtende Tribüne Cosmin-Moti-Tribüne heißen soll. 

Pikant am Rande: Der Elfmeterkiller ist Rumäne und war 3 Jahre lang Spieler von Dinamo Bukarest, dem Erzrivalen von Steaua. Moti war vielleicht deshalb besonders motiviert. 

Das ist Fußball!


Vamos Eibar

Ein kleiner baskischer Fußballclub sorgt in der Primera Division, der ersten Liga in Spanien, für Aufsehen. 


Sociedad Deportiva Eibar, aus der 27.000 Kleinstadt Eibar ist zum ersten Mal in der 74jährigen Vereinsgeschichte in die höchste Spielklasse aufgestiegen und das mit dem kleinsten Etat in der gesamten zweiten Liga von nur 3,5 Millionen Euro. Das ist der 150. Anteil des Etats vom großen Ligakonkurrenten Real Madrid und deutlich weniger als vergleichbare Etats von deutschen Zweitligateams wie VFR Aalen (11,5 Millionen) oder SV Sandhausen (8,2 Millionen).

Zudem passierten durchschnittlich nur 3.000 Fans regelmäßig die Stadiontore des knapp 5.000 Zuschauer fassenden Stadions "Estadio Municipal de Ipurua".




In dieser Saison wird das Stadion (in Eibar spricht man von dem Fußballplatz) bei jedem Heimspiel ausverkauft sein, da man erstmals mehr als 4.000 Dauerkarten absetzen konnte.

Da der SD Eibar so sparsam und wirtschaftlich gut agiert, gehört er zu den ganz wenigen spanischen Fußballvereinen, die schuldenfrei sind. Genau diese Tatsache hätte den sportlich schon feststehenden Aufstieg fast noch verhindert. Ein Gesetz schreibt allen Vereinen der ersten und zweiten Liga ein Stammkapital von mindestens 2.1 Millionen vor. Eibar verfügte aber nur über 400.000 Euro an Grundvermögen. Eine von der Vereinsführung eingeleitete Klage gegen dieses Gesetz brachte zwar nicht den erhofften gerichtlichen Erfolg, aber jede Menge Sympathien für den Underdog. 

Durch eine Kapitalerweiterung durch 8000 private Anteilseigner aus 48 Ländern konnte der Betrag zusammen getragen werden, ohne sich an einen Großinvestor oder Sponsor zu binden und damit das ursprüngliche Wesen des Vereins aufzugeben. Sympathisches Detail hierbei: Den letzen Anteil zeichnete ausgerechnet ein 90jähriges Vereinsmitglied. 

SD Eibars Vereinspolitik ist es seit jeher junge Spieler aus höherklassigen Vereinen auszuleihen, um sie in die Mannschaft zu integrieren und auszubilden. Die Kehrseite: Meistens verlassen die besten Spieler bald wieder den Verein, da die Ausleihzeit abgelaufen ist oder weil andere Clubs auf die jungen Spieler aufmerksam geworden sind und diese verpflichten. Selbst die späteren Weltmeister Xavi Alonso und David Silva haben in jungen Jahren für SD E gespielt. 

Da für Spieler der ersten spanischen Liga ein Mindestlohn von 120.000 Euro vorgeschrieben ist, musste nun bei der Verpflichtung von Derek Boateng der Jahresetat angehoben werden. 120.000 Euro ist genau die Summe, die der Trikotsponsor pro Saison an Eibar überweist. 

Übrigens spielen die "Los Armeros" -die Büchsenmacher*- genau wie der weltberühmte FC Barcelona in blau-roten Trikots. Das ist auch kein Zufall. Als nach der Vereinsgründung im Jahre 1940 die ersten Spiele anstanden, war noch nicht mal das Geld für eigene Trikots da. Die wurden großzügig von Barca gespendet. Seitdem spielt man in Eibar eben in diesen gestreiften Jerseys. 


Beim Ligastart am letzten Wochenende kam es gleich zum Derby gegen einen der beiden großen Nachbarn Real Sociedad San Sebastian. Der andere große Rivale aus Baskenland ist Athletic Bilbao. Aus beiden Clubs kommen traditionell die meisten ausgeliehenen Jungspieler von Eibar.

Das Team von Sociedad Deportiva Eibar gewann vor 5.173 Zuschauern verdient mit 1:0 und feierte damit den ersten Sieg in der höchsten spanischen Spielklasse! 

*Der Spitzname Büchsenmacher aufgrund der großen Waffenindustrie im Ort. 
Ein weiterer Spitzname ist The Bravehearts, ein Name der von dem schottischen Fanclub "La Escocia la Brava" stammt. Dieser Fanclub ist regelmäßig mit Dudelsack und Kilts im Stadion anzutreffen. 

Samstag, 19. Juli 2014

Der älteste Fußball Club der Welt

Der Sheffield Football Club gilt als der älteste noch existierende Fußball Club der Welt. Er wurde 24. Oktober 1857 von Mitgliedern des Sheffield Cricket Club gegründet. Die Gründungsveranstaltung fand im Parkfield House im Sheffielder Stadtteil Highfield. 



Der Verein ist in vielerlei Hinsicht ein besonderer Club. 

Neben der Besonderheit sich offiziell "Der erste Fußball Club der Welt" nennen zu können, hat es rund um den SFC noch weitere bemerkenswerte Ereignisse gegeben.

1857 wurden die so genannten Sheffield Regeln aufgestellt, die maßgeblich zu der Entwicklung der allgemein gültigen Fußballregeln beitrugen. Die Sheffield Regeln legten fest, dass der Anstoß in der Mitte des Spielfeldes mit einem ruhenden Ball ausgeführt werden soll. Ebenso wurde der Freistoß nach einem Foul und der Abstoß schriftlich eingeführt. Jeder Spieler sollte entweder eine rote oder blaue Kappe tragen, damit die Mannschaften optisch zu unterscheiden waren.

Die Aufstellung der einheitlich geltenden Fußballregeln war nötig geworden, da der so genannte Mob Football eher unkontrolliert und verletzungsintensiv war. Zudem stellte jede Schule ihre eigene Regel auf, nachdem dann gespielt wurde. 

Das erste bekannte Fußballspiel fand bereits 1794 in Bents Green (Sheffield) zwischen Team aus Sheffield und Norton statt, welches 3 Tage andauerte! Der Chronist vermerke in seinem Bericht, dass es zwar viele Verletzte aber keine Todesopfer gegeben hätte.

Der Sheffield FC führte schon 1878 Flutlichtspiele durch, organisierte 1872 den ersten internationalen Vergleich und spielte das erste Derby im Dezember 1860 gegen den Lokalrivalen FC Hallam. Selbstverständlich wurde das Derby auf dem ältesten Fußballplatz der Welt, dem Hallam Pitch at Sandygate Lane ausgetragen. 

Der Sheffield Football Club wurde schon bald von den deutlich populäreren Proficlubs aus der eigenen Stadt, Sheffield United und Sheffield Wednesday sportlich überholt, da man den Amateurstatus beibehalten und nicht in den Profibereich aufsteigen wollte. Heute spielt der Sheffield FC in der 8. höchsten Fußballliga in England. 

In der abgelaufenen Saison war der Chairman des SFC anlässlich des 104. Geburtstag des Ballspielvereins zu Gast im Westfalenstadion und durfte vor dem Spiel gegen Hertha BSC eine Grußbotschaft auf dem Rasen an die Fans richten.





By the way: BVB is coming to town:



Wer mehr über die Wurzeln des Fußball wissen möchte:
non professional since 1857

Bei der Geburt getrennt XVI