Sonntag, 18. Dezember 2011

Die Bundesligahinrundentabelle

Am Ende der Hinrunde stelle ich heute die Bundesligatabelle mal anders auf: Die 18 Bundesligaclubs sortiert nach meinen aktuellen persönlichen Sympathie/Antipathiewerten.

1. Ballspielverein Borussia 1909 Dortmund
.........................
2. Hannover 96
3. 1.FC Köln
........................
4. 1.FSV Mainz 05
5. Hertha BSC Berlin
6. VfB Stuttgart
7. Werder Bremen
8. SC Freiburg
9. 1.FC Nürnberg
10. 1.FC Kaiserslautern
11. Hamburger SV
12. FC Augsburg
..........................
13. Bayer Leverkusen
14. Borussia Mönchengladbach
15. VfL Wolfsburg
16. Bayern München
17. TSG 1899 Hoffenheim
18. Gelsenkirchen

Es ist naürlich eine sehr subjektive Momentaufnahme, die sich jeder Zeit verändern kann, eigentlich wie die Bundesligatabelle nach jedem Spieltag.

Die Unterteilung in 4 Gruppen hat folgenden Sinn:
Platz 1: Mein Verein, unerreicht, einzigartig. Echte Liebe eben.

Platz 2-3: Vereine für die ich derzeit gewisse Sympathien aufgrund gezeigter Leistungen hege. Hannover zum Beispiel hat sich meinen Respekt durch eine starke Saison und aufgrund des Auftrittes in der EuroLeague erworben.

Platz 4-12: Weder aktuelle Sympathien noch Abneigungen.

Platz 13-18: Immer stärker werdende Antipathien, je tiefer der Tabellenstand der Vereine ist. Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim als Retortenvereine waren noch nie meine Favoriten, da ich Traditionsvereine mit gewachsenen Fankulturen bevorzuge. Mönchengladbach, der selbsternannte Mythos, versucht zwanghaft die Rivalität zu unserer Borussia aufrecht zu erhalten. Die Bayern und ihre unwissenden Erfolgsfans werden mir wieder unsympathischer. Dieser Plastikclub aus Sinsheim und sein allmächtiger Mäzen passt nicht in mein Fußballweltbild und ist auch aufgrund der Beschallungsaffäre auf dem schlechtesten Weg das Blaukraut aus GE als ewiges Schlusslicht noch zu toppen. Ekelhaft!

Ergänzung: Offensichtlich hat auch Hoffenheims Keeper Tom Starke mittlerweile erkannt, in welche fußballerische Diaspora es ihn verschlagen hat. Meinen Respekt hat er trotzdem dafür das er seine Erkenntnis nicht für sich behält, sondern seinem Frust freien Lauf lässt: »In meinen Augen sind das keine Fans, sondern neutrale Zuschauer, die 24 Tore sehen wollen. Leider sind das nur 1000 Fans, der Rest ist halt Fußball-Zuschauer - nichts anderes. Du musst hier 5:0 gewinnen, dann stehen die Zuschauer auf und klatschen.« (Tom Starke lästert über die eigenen Anhänger, die selbst bei Führung der TSG 18,99 ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert orchestrierten.)

Nebenbei verzeichnete 1899 mit 25 550 Zuschauern am Samstag einen Minus-Rekord in der Rhein-Neckar-Arena.  Daumen hoch, das GEFÄLLT MIR!







Donnerstag, 15. Dezember 2011

Der ungekrönte Fußballkönig von London

Wer kennt eigentlich noch Clive Allen?

Er war ein englischer Nationalspieler, der allerdings nur 5 Spiele für die "The Three Lions" bestritt. Clive Allen wurde 1961 in London geboren und entstammt einer Fußballdynastie.

Sein herausragendes Kennzeichen ist aber ein anderes: Er spielte in seiner Karriere insgesamt für 10 verschiedene Proficlubs und das besondere daran: Er spielte u.a. für Girondins Bordeaux, Manchester City und Carlistle United ausserhalb von seiner Heimatstadt London und für sieben (!) Londoner Fußballvereine. Nach seiner aktiven Fußballerlaufbahn lief er auch noch für die London Monarchs, einem American Footballteam in der NFL Europe auf. Danach wurde er Trainer bei Tottenham Hotspur.

Clive Allen kickte chronologisch sortiert für Queens Park Rangers, Arsenal, Chrystal Palace, Tottenham Hotspur, Chelsea, West Ham United und Millwall.


                  Unglaublich, oder? Aber mehr London geht fast nicht. Ich würd´ mal sagen:
                  Ein echter Cockney eben!




Mittwoch, 14. Dezember 2011

"Bewiesene Unschuld"

                              ...piep...piep...piep...piep...piep...piep...piep...piep... piep...piep...


Heidelberg. 
Die Akustik-Attacke eines Angestellten von Fußball-Bundesligist 1899 Hoffenheim gegen Fans von Borussia Dortmund bleibt ohne strafrechtliche Folgen. Die Heidelberger Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen "wegen erwiesener Unschuld" ein.


                                       

                                          „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.

Montag, 12. Dezember 2011

Ein Sonntagsschuss am 3. Advent

Auf dem Weg zum Spiel, keiner kann uns halten...


Es war mal wieder ein Sonntag nachmittag, der meine Abneigung gegen Sonntagsspiele noch vergrößerte.
Viermal Aluminium, zahlreiche Torchancen und klare Überlegenheit auf dem Platz und doch reichte es nur zu einem Unentschieden gegen den 1. FC Kaiserslautern. Nach einer Pausenführung sah der Ballspielverein wie ein sicherer (?) Sieger aus, bis Olcay Sahan mit einem zugegebenermaßen sehenswerten Volleyschuss ins Dortmunder Tor traf. Ich hoffe, Mama Sahan lässt Sohnemanns nach dem Spiel geäußerte Befürchtung wahr werden und erteilt dem Sprößling kurzerhand Hausverbot. Mutter Sahan trägt nämlich ihr Herz am rechten Fleck und ist BVB-Fan.

Es gab einige Stimmen, die meinten das der Ausfall des traditonellen Auftrittes der Sonnenkinder am letzten Heimspiel des Jahres ein ganz schlechtes Vorzeichen für die Partie bedeutete. Ich sehe das anders. Unsere junge Mannschaft geht ähnlich wie im letzten Jahr kurz vor Weihnachten auf dem Zahnfleisch. Der Substanzverlust ist ihr deutlich anzumerken. Viele Spieler erreichen derzeit das Vorjahresniveau nicht oder fehlen verletzungsbedingt. Die Meldung von heute morgen passt da wieder mal ins schlechte Bild: Mario Götze hat sich bei seinem Kurzeinsatz auch noch einen Muskelfaserriss zugezogen und fällt in den beiden letzten Spielen aus.

Eine Beobachtung, die ich gestern gemacht habe, möchte ich noch aufgreifen: Die zahlreichen Freistöße aus dem Mittelfeld wurden allermeist zu weit in den Fünfmeterraum geschlagen, sodass Torhüter Trapp überhaupt keine Mühe hatte, diese abzufangen. Da sich einige Spieler abwechselnd an der schlechten Ausführung der Flanken nach einem ruhenden Ball versuchten, sehe ich dort noch Verbesserungspotenzial durch Trainingsarbeit.

Ein Wort zu den FC K-Fans:
Seit dem Wiederaufstieg sind mir die Pfälzer nur positiv aufgefallen. Schon beim Auftritt in der letzten Saison gab es nach der 0:5 Klatsche für Lautern sogar noch anerkennenden Applaus für unsere Mannschaft. Das war für mich alten Kaiserslauternhasser doch sehr überraschend. Ich erinnere mich immer noch mit Grauen an die Schlachten auf dem Betzenberg, wo das aggressive und oftmals unfaire Publikum häufig seinen Anteil an den hitzigen Partien mit Platzverweisen und Verletzungen hatte.

Schöne Choreo
Vielleicht wurden die Pfälzer Jungs auch durch den bitteren Gang in das Unterhaus geläutert. So sollte sich ein Auswärtsmob im Westfalenstadion benehmen: Keine Provokationen, keine Rauchbomben, Bengalos und Böller, sondern eine schöne Choreo und Konzentration auf die Anfeuerung der eigenen Mannschaft. In den Zeiten von Hoffenheim, Wolfsburg und RB Leipzig sind mir die Fans dieses Traditionsvereins eindeutig lieber als die wenigen Erfolgs- und Retortenanhänger der vorgenannten Clubs. Hut ab vor Lautern!


Wer ist Deutscher Meister?


Statistik

BVB (4-2-3-1): Weidenfeller – Piszczek, Santana, Hummels, Schmelzer (77. Owomoyela)– da Silva (73. Perisic), Gündogan, Kuba (66. Götze), Kagawa, Großkreutz – Lewandowski 
FCK (4-1-4-1): Trapp – Dick, Abel, Rodnei, Bugera – Kirch (51. Shechter) – Fortounis, Tiffert, de Wit (83. Petsos), Sahan – Kouemaha (78. Nemec)
Tore: 1:0 Kagawa (27.), 1:1 Sahan (60. SONNTAGSSCHUSS)

Samstag, 10. Dezember 2011

homo bavaricus rectus



homo bavaricus rectus oder wer oder was ist eigentlich ein Bayernfan ?

Es gibt sie überall in der Republik und auch darüber hinaus. Besonders in ländlichen Gebieten sind sie anzutreffen und auch hier im Ruhrgebiet gibt es sie zur Genüge: Die FC Bayern Fans. Ob auf der Arbeit, in der Schule, in der Familie oder zufällig im Straßenbild, überall trifft man auf die Roten.

Fans? Sind das wirklich Fußballfans? Oder doch nur Sympathiesanten des erfolgsverwöhnten Deutschen Rekordmeisters? Ich jedenfalls mache mir meine eigenen Gedanken bzw. Vorurteile und kann mittlerweile aus einem reichhaltigen Erfahrungsreservoir schöpfen.

Es begann natürlich in der eigenen Verwandtschaft. Meine Schwester, die schon immer einen Dickschädel und ein sicheres Gespür für oppositionelles Gedankengut hatte, sympathisierte schon frühzeitig mit dem Großkopferten aus München. Ob es daran liegt, dass ihre drei Brüder eindeutig schwarzgelb sind ? Der Widerpart war auf jeden Fall in der eigenen Familie geschaffen.
Gleichzeitig und das macht die Angelegenheit nicht besser, schwärmte sie für einen gewissen Hansi Müller und dessen VfB Stuttgart.

Bis heute kann ich diese Neigung zu dem selbst ernannten „Stern des Südens“ nicht wirklich erst nehmen. Genauso wie die allermeisten der in unserer Gegend beheimaten Anhänger der Bayern.

Die größte Teil von ihnen sind nach meiner Erfahrung reine Sofafans und äußerst seltene Stadiongänger. Das mag auch seine Begründung darin finden, dass es soviele von ihnen gibt und das Auswärtskontingent für die Bayern deshalb limitiert ist. Aber gerade in NRW gibt eine Bundesligaclubdichte wie nirgends sonst in Deutschland. Trotzdem sind die Bayern äußert träge was die Unterstützung der eigenen Mannschaft im Stadion angeht.

Im Erfolgsfall -und der ist eigentlich der Regelfall- sind sie obenauf und erklären großspurig dem Rest der Liga die Fußballwelt. Meisterschaften und Pokalgewinne sind eingeplant und daher obligatorisch. So weit - so gut. Hierbei sind sie eigentlich harmlos und relativ einfach zu händeln.

Im eigenen Misserfolgsfall aber, halte ich den Umgang mit ihnen für deutlich schwieriger. Wird das im Grundgesetz scheinbar verankerte Recht, alleiniger Beherrscher der Bundesligatabelle zu sein, nicht erreicht, geht die ansonsten selbstzufriedene Frohnnatur ziemlich schnell die Ruhr herunter. 
Beispiel gefällig? Die Deutsche Meisterschaft 2010/11 ging an den ruhmreichen Ballspielverein aus Dortmund und seither haben bayrische Fußballfreunde nichts besseres zu tun, als penetrant darauf hinzuweisen, dass dieser Erfolg eher zufällig und einmalig zu Stande gekommen ist. Selbstverständlich ist das "Missgeschick" auch nur deshalb passiert, weil der FC Bayern in der abgelaufenen Saison ausnahmsweise eine Schwächeperiode (ausgelöst durch die Überbelastung der zahlreichen Nationalspieler bei der WM) durchleben musste. Das der BVB die Münchner mittlerweile 3x in Serie besiegen konnte und davon sogar 2x in Fröttmaning, ärgert den gemeinen Bayern umsomehr.

Da kommt das aktuelle Tagesgeschehen in Form des Ausscheidens des Deutschen Meisters aus der Königsklasse gerade recht daher. Die Schande für Deutschland sei des, eine blamable Vorstellung und Präsentation des deutschen Fußballs....unwürdiges Verhalten und vieles mehr.
Ganz ehrlich, ich halte das wie unser Trainer. Zitat Klopp: "Wir haben unseren Verein nicht würdig vertreten. Um Deutschland geht es uns nicht! Es tut mir leid...wir würden trotzdem wieder mitmachen, wenn wir uns qualifizieren." 
Die Bundesliga ist das Kerngeschäft und der europäische Wettbewerb für mich feinster Bonus. Punkt.

Es ist für mich ein Wesensmerkmal dieser Spezies, im eigenen Negativerlebnis -dem Ausnahmefall- alles andere klein zu reden und schlecht zu machen.

Zum anderen habe ich das Gefühl, dass die Bayernanhänger ziemlich identisch mit den so genannten Deutschlandfans sind und ähnlich wie diese meist nur über rudimentäre Fußballkenntnisse verfügen. Liegt das an den gleichgelagerten Erfolgsaussichten oder doch nur an dem selben Trikotausstatter? ;-) Man weiss es nicht. Vielleicht sind es auch nur die Eventtouristen, die sich nur dem Happening hingeben wollen.

Der Unterschied zu gewachsenen Fankulturen anderer Vereine ist jedenfalls deutlich erkennbar. Während fast jeder andere Fußballverein durch Höhen und Tiefen gehen muss, kennt der FC Bayern und seine Anhängerschar zum Beispiel keinen Abstieg in die Zweitklassigkeit, keine Fastpleite des Clubs oder sonstige existenzelle Probleme, die zugegebenermaßen auch zum Fansein leider dazugehören. Speziell wir in Dortmund haben mehrfach erleben müssen, dass nach den goldenen Zeitaltern meistens die Abstürze folgten. Wie nach den 50/60er Jahren, der bittere Gang in die Zweitklassigkeit anstand, folgte auf die erfolgreichen 90er die nur mühselig abgewendete Insolvenz unseres Vereins und der damit notwendige Neuanfang. Rückwirkend betrachtet war gerade das auch ein Stahlbad durch welches unsere Fanszene gegangen ist und zusammengeschweisst wurde. „Wir sind Borussia!“ war eine grandiose Kampangne der Fanabteilung, die sich auch in dieser Phase des Vereins gegründet hatte. Die Identität des „Borussen“ wurde in dieser Krise nachhaltig geprägt. Zum Verständnis: Ich möchte diese Momente nicht wirklich noch mal durchleben müssen, aber sie sind Bestandteil meines Fanbewusstseins. Heute identifiziere ich mich sicherlich mehr mit meinem Verein und seinem Umfeld als früher.

All das braucht ein Bayernsymapathisant nicht zu fürchten und zu erleben.
Das Selbstverständnis der Bayern ist daher ein ganz anderes, als das aller anderen Fangruppen in Deutschland.

Beim Pokalendspiel 2008 in Berlin waren beispielsweise viele Bayernanhänger sogar
nach dem eigenen Cupgewinn gar nicht in einer Feierlaune anzutreffen. Im Gegenteil, die Tatsache, dass die Dortmunder erst in der Verlängerung besiegt und nicht wie erwartet, mindestens mit 4-5 Tore Unterschied vom Platz gefegt worden waren, sorgte für reichlich Verdruss. Die späte Abreise und der xte Cupgewinn wurden deshalb eher negativ zur Kenntnis genommen. Vielleicht lag es ja auch an der deutlichen Stimmungsunterlegenheit während des Spieles? Selbst nach dem Spiel haben wir Dortmunder auf dem gemeinsamen Weg zur U-Bahn mehr gefeiert als die Münchner. 
Für mich war das ein Schlüsselerlebnis in meinen Überlegungen zur Anhängerschar des FC B. Bis dahin konnte ich es einfach nicht begreifen, dass ein Meisterschaftsgewinn nur eine so kleine Resonanz in München erzeugen kann. Da ist man aus Dortmund ganz andere Umstände gewöhnt!

Ich möchte hier auch möglichst wenige Modefans in unserer Szene haben. Die sollen woanders feiern und meckern gehen. Der FC Bayern oder Hoffenheim wären da besser geeignet.

Ich bin Borusse und das ist auch gut so! Glück auf!

Dienstag, 6. Dezember 2011

Mene tekel upharsin...

Was mache ich hier eigentlich?

Gerade aus dem Stadion zurück, sitze ich frustriert auf der Couch. Eigentlich hatte ich an das Überwintern im europäischen Geschäft eh nicht geglaubt, da geht mein Verein  in der 32. min mit 2:0 gegen Marseille in Führung und alle Borussen im Stadion glauben plötzlich wieder an das Wunder und drehen kräftig am Geräuschpegel! Aber was kam dann ? So richtig kann ich es noch nicht verstehen. War es die schwere Verletzung des Kapitäns Kehl (erste Nachrichten aus dem Krankenhaus sagen, das es doch kein Jochbeinbruch ist) oder der Anschlusstreffer in der 4. Minute der Nachspielzeit in der ersten Hälfte, die der Mannschaft den Knacks verpasst haben ? Tatsache ist: Nach der Pause war die Elf nicht mehr dieselbe der ersten Halbzeit.

Es ist 0:00... ich gehe erstmal ins Bett, schlafe eine Nacht darüber und schreibe dann weiter. Ansonsten versteige ich mich heute noch in Aussagen zu Arsenal und englischen Schiedsrichtern, für die ich später mal schämen könnte.

Gute Nacht du schöne Fußballwelt!



Am Tag danach.

Halbwegs ausgeschlafen, gearbeitet und mit den Kollegen den Spielverlauf mehrfach durchgesprochen, wage ich nun einen zweiten Versuch, die Geschehnisse in Worte zu fassen. 

Es war das dritte und damit letzte Vorrundenheimspiel in der Königsklasse. Und wieder war die Hütte voll, das Stadion ausverkauft. Olympique Marseille, mit ca. 2.500 Fans im Rücken, gab sich die Ehre im Westfalenstadion. 
Die Ausgangslage an Nikolaus war für Borussia ebenso schwierig wie fast aussichtslos. Nur bei einem Sieg mit mindestens 4 Toren Unterschied und einem gleichzeitigen Sieg von Arsenal bei Piräus würde der Einzug in die nächste Runde gelingen. Viel Hoffnung bestand also nicht. Trotzdem stieg der Mut und die Laune bei den Schwarzgelben Stunde um Stunde. Nobby Dickel hatte wieder einmal alle Register gezogen und verschenkte in der City launig schwarzgelbe Nikolausmützen. Insgesamt sollen es 50.000 Mützen gewesen sein, die in Kneipen, in der Fußgängerzone und im Stadion verteilt wurden.


Letztlich gaben sie und ihre Träger im Stadion ein imposantes Gesamtbild ab.


Leider musste ich wieder von meinem Stammplatz im Block 14 in den eher ungeliebten Ausweichblock 82. Der Grund war wieder die von der UEFA vorgeschriebene Versitzplatzung unserer Stehplatztribüne. Denn "Sitzplätze prügeln und zündeln ja nicht", meinen zumindest die Funktionäre. 
Aber diese Theoretiker wurden wieder einmal eines Besseren belehrt. Diesmal durch die französischen Fans. Die OM Supporter zündelten und böllerten nämlich was das Zeug hält und das während des gesamten Spielverlaufes. 


Zum Spielgeschehen: 

Der Auftakt war doch sehr vielversprechend. Borussia startete gut ins Spiel und kontrollierte das Spiel und den Gegner. In der 23. Minute konnte Kuba aus einem Gewühl im Strafraum heraus das 1:0 erzielen und rannte anschließend überraschenderweise in die Arme von Trainer Klopp. Nun gut, schön das man sich offensichtlich wieder versteht. Knappe 10 Minuten später kam es zu der nächsten gefährlichen (im wahrsten Sinne des Wortes) Strafraumszene. Ein gewisser Herr Mbia setzte zu einer Rettungstat vor Sebastian Kehl mit einem Fallrückzieher an, traf aber nicht den Ball, sondern stattdessen das Gesicht von unserem Kapitän mit voller Wucht! Wenn man sich diese Aktion nochmals auf Fotos oder Videos anschaut, kann man nicht verstehen, warum Howard Webb als Schiedsrichter hier kein Rot, sondern nur Gelb zeigte. Absolut unfassbar.  Aber von diesem Referee ist man ja schon einiges gewohnt. Beispielsweise im WM Finale, als er Nigel de Jong für einen ähnlichen Kung-Fu Tritt keine rote Karte zeigte. Sebastian Kehl wurde jedenfalls mit Verdacht auf Jochbeinbruch (glücklicherweise bestätigte sich diese Befürchtung nicht) vom Feld und ins Krankenhaus transportiert. Da Silva als Mittelfeldspieler Nr. 5 übernahm seine Position. Den fälligen Elfmeter verwandelte Mats Hummels dann souverän zum 2:0. Ab da an glich das Stadion wieder einem Tollhaus. Alle Tribünen einte die Hoffnung, doch noch Augenzeuge eines gelben Wunders zu werden und es wurde die Mannschaft stimmgewaltig nach vorne gepeitscht. Doch bevor Mario Götze das vielleicht vorentscheidene 3:0 ziemlich leichtfertig in aussichtsreicher Position vergab, wurde auf der Anzeigetafel das Zwischenergebnis aus Piräus eingeblendet. Das 2:0 für Olympiakos war ein ziemlicher Stimmungsdämpfer, da vielen in diesem Moment klar war, dass es damit nur noch um das Erreichen der Europa League gehen konnte. Zudem brachte der Ausfall von Kehl und der Einsatz von Toni Da Silva einen Bruch in die bis dahin nahezu perfekte Spielgestaltung des BVB. Als die 5. Minute der Nachspielzeit -Engländer zelebrieren die Extratime immer ausgiebig- anbrach, kam OM zum ersten Mal gefährlich vor das Dortmunder Tor und es klingelte sofort. Der Anschlusstreffer durch Remy bedeutete den völlig unverdienten Halbzeitstand.

Aus der Kabine kam meiner Meinung nach eine andere Borussenelf. Offensichtlich glaubten die Jungs,  geschockt durch die Verletzung ihres Kapitäns und/oder den Anschlusstreffers, nicht mehr an ihre Chance. Der Verlauf ist bekannt und ich verspüre auch an dieser Stelle keine große Lust mehr, näher darauf einzugehen. 

Fazit: 
Die junge Mannschaft wurde erneut gewogen und als zu leicht für das internationale Geschäft befunden. Letztlich habe ich keine wirkliche Erklärung dafür. War es die fehlende Erfahrung, die körperliche Robustheit der Gegner oder der Ausfall diverser wichtiger Spieler ? Mir kamen alle drei Gegner in den entscheidenen Momenten ausgebuffter und abgezockter vor. Teilweise aus dem Nichts fielen die Gegentore. Da Arsenal, Marseille und Piräus ständige Gäste in europäischen Wettbewerben sind, muss man davon ausgehen, dass sie über deutlich mehr Erfahrung als der BVB verfügen. 

Wie dem auch sei, es war trotzdem schön mal wieder Gast in der Königsklasse gewesen zu sein. Tausende Borussen bei den Auswärtsspielen, 3 ausverkaufte Heimspiele und besonders gegen Arsenal eine unvergessliche Choreografie und Stimmung machten den internationalen Ausflug zu einem Erlebnis.

Heut ist nicht das Ende aller Tage, wir kommen wieder - keine Frage!

Statistik:
Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Felipe Santana, Hummels, Löwe - Gündogan, Kehl (32. da Silva) - Blaszczykowski, Lewandowski, M. Götze (46. Perisic) - Barrios (63. Kagawa)
Olympique Marseille: Mandanda - Azpilicueta, Diawara, Nkoulou, D. Traoré - Mbia (46. Cheyrou), A. Diarra - Amalfitano, Lucho Gonzalez (67. J. Ajew), A. Ayew - Remy (73. Valbuena)
Tore: 1:0 Blaszczykowski 23., 2:0 Hummels 32. (FE), 2:1 Rémy 45+4, 2:2 A. Ayew 85., 2:3 Valbuena 87.
Gelbe Karten: Santana - Mbia, Amalfitano, A. Ayew, A. Diarra, Valbuena


Sonntag, 4. Dezember 2011

In der Roten Erde

Samstag abend hieß es: Alle Jahre wieder...die alljährliche Weihnachtsfeier fand wie in den letzten Jahren auch in der Stadiongaststätte Rote Erde statt. Es ist immer wieder eine tolle Lokalität, die besonders mich als Fußballfan begeistert und in seinen Bann zieht.

Man wird vom Hauch der (Fußball)Geschichte förmlich umweht. Die Kneipe liegt unter der Hauptribüne des Stadion Rote Erde und hat immer noch den Charme der 50er und 60er Jahre. Wenn man über den Flur zu den Toiletten geht, kann man den Kabinentrakt sehen. Auch dieser Bereich ist immer noch sehr oldfashioned.

Die Toiletten sind augenscheinlich vor einiger Zeit renoviert worden.









Alte Bilder an den Wänden zeugen von den Anfängen des Stadions in den Zwanzigern. 1926 wurde es mit zwei verschiedenen Veranstaltungen, getrennt nach gesellschaftlichen Schichten, eröffnet. Das bürgerliche Lager begann mit einem Wettkampf und eine Woche später eröffneten die Arbeiter das Stadion mit einer Veranstaltung. Sehr merkwürdig.

Mein Wissen habe ich übrigens von einer Stadionführung mit dem grandiosen Gerd Kolbe.

Als ehemaliger Stadionsprecher, Sprecher der Stadt Dortmund, Leiter des Stadtarchivs, Organisator verschiedener Fußball-weltmeisterschaften und der Dortmunder Schachtage und privater Sammler von historischen BVB-Devolationen kann er stundenlang über unseren Ballspielverein und seine Spielstätten berichten. Einfach großartig. Auf die Stadionführung werde ich nochmal in einem gesonderten Post eingehen.

Ich habe die Gaststätte schon einige Male während eines Spiels der BVB-Amateure besucht, allerdings kann man seinen Aufenthalt dort mehr auf einer privaten Feier genießen.


                        Auf die nächste Weihnachtsfeier in der Roten Erde freue ich mich jetzt schon.

Das Marathontor im Süden